Prävention

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Prävention durch die Betreuung und Unterstützung von Eltern

Unter dem Begriff der primären Prävention versteht man eine Maßnahme, mit der psychische oder körperliche Erkrankungen, so wie Entwicklungsdefizite verhindert werden sollen. Für die Entwicklung emotionaler Kompetenz ist vor allem die bindungsorientierte Prävention hervorzuheben, welche die Bindung zwischen den Eltern (bzw. der Mutter) und dem Kind stärkt, damit diese als Schutzfaktor für das Kind dienen kann.

Primäre Präventionsangebote richten sich nicht nur an Personen mit vorhandenen Risikofaktoren, sondern auch an alle anderen, bei denen man auch ohne Interventionsprogramme keine späteren Defizite befürchten muss. Als sekundäre Prävention werden dagegen solche Maßnahmen bezeichnet, die sich speziell an Risikogruppen richten – im Bezug auf die Verhinderung emotionaler Defizite also z.B. an Familien aus sozialbenachteiligten Wohngegenden, Kinder mit drogenabhängigen Eltern oder minderjährige Mütter. Die sekundäre Prävention soll also dazu dienen bei bestehenden Risikofaktoren die Defizite und Schäden der Kinder, welche ohne eine Intervention wahrscheinlich auftreten würden, zu verhindern und zusätzlich die Kompetenzen zu stärken.

Bindungsorientierte Präventionsansätze

Die zur Zeit wohl populärste der bindungsorientierten Präventionsansätze ist die Gruppenarbeit mit Eltern, welche nach dem PEKiP (Prager Eltern-Kind-Programm) – Konzept arbeitet. Dieses unterstützt eine Verhaltensänderung der Eltern im Bereich der vorbeugenden Gesundheitsbildung und Förderung der psychischen und körperlichen Entwicklung des Kindes. Die Eltern lernen in den PEKiP Gruppentreffs mit Hilfe von spielerischen Elementen die momentanen Bedürfnisse ihrer Kinder zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. PEKiP richtet sich an Eltern und ihre Kinder im ersten Lebensjahr und soll den Eltern helfen, ihre Kinder individuell bestmöglichst zu fördern, sie in ihrer Entwicklung zu begleiten und die Beziehung zu ihnen zu stärken (vgl. www.pekip.de). PEKiP kann sowohl als primäre, wie auch sekundäre Prävention dienen.

Das Angebot richtet sich meist uneingeschränkt an alle Eltern, jedoch wird oftmals innerhalb einer Institution (z.B. Mutter-Kind-Haus) PEKiP als sekundäre Prävention angeboten.

Hardt (2008) weist, im Bezug auf frühen Interventions- und Präventionsmaßnahmen, auf Studien aus den USA hin, welche eine intensive Betreuung von Müttern lange vor- und nach der Geburt ihrer Kinder, untersuchten. Evaluationen über diese früh angesetzten Präventionsmaßnahmen konnten eine Reduktion von Misshandlungen, Vernachlässigungen, sowie eine bessere Sprachentwicklung und höhere emotionale Kompetenzen im Vergleich zu anderen Kindern feststellen. Hardt bezieht sich auf vielerlei unterschiedliche Studien, welche alle die naheliegende Annahme bestätigen, dass Präventionsprogramme umso größere Erfolge erzielen, je früher diese ansetzen. Außerdem hätten sich besonders solche Präventionsmaßnahmen als erfolgreich erwiesen, welche spezifisch auf eine bestimmte „Risikogruppe“ zugeschnitten gewesen sei (vgl. Hardt, 2008, S.116 f.).

Brisch (2008) hebt vor allem bindungsorientierte Präventionsmaßnahmen hervor. Diese Art der Prävention solle schon damit beginnen, dass Eltern ihren Kindern eine vorbestehende Trennung, bei z.B. der Aufnahme in eine Krippe oder Kindergarten, so einfach und wenig traumatisierend gestalten wie möglich. So sei es beispielsweise sehr wichtig, dass die primäre Bezugsperson des Kindes (meist die Mutter) eine gewisse Zeit in der neuen Umgebung mit dem Kind verbringt, bis dieses die ErzieherInnen als neue, ergänzende Bezugspersonen anerkannt haben. Diese Vorgehensweise schütze das Kind vor einer möglichen Bindungsstörung oder Traumatisierung durch die Trennung von der Mutter. Eine solche behutsame und allmähliche Umgewöhnungsphase sei auch bei Kindern, welche in eine Pflegefamilie aufgenommen werden sollen, wichtig. So könne vorab z.B. durch regelmäßige Besuche bei der neuen Pflegefamilie eine sichere Bindung zu den Eratz- Bindungspersonen entstehen, ohne dass eine Traumatisierung durch die abrupte Trennung geschehe (vgl. Brisch, 2008, S.143 f.). Ich halte diesen Ansatz der behutsamen und allmählichen Trennung durch eine bindungsorientierte Prävention für sehr wichtig, jedoch scheint dies z.B. bei akuter Kindeswohlgefährdung unangebracht und gefährlich. Es müsse somit von Fall zu Fall unterschieden werden, welche Traumatisierung des Kindes am „schlimmsten“ ist- die Trennung zu den primären Bezugspersonen oder die akute, familiäre Situation, der das Kind ausgesetzt ist. Diese Abwägung in der Praxis, von Seiten des Sozialarbeiters, stelle ich mir sehr schwer vor, da sowohl eine abrupte Trennung durch Inobhutnahme des Kindes aus der Familie, als auch ein Verharren in der traumatisierenden, familiären Situation, schädigend für die weitere Entwicklung des Kindes sein kann.

Präventionsprogramme in institutionellen Einrichtungen 5.2.1 Präventionsprogramme in Kindergärten

Ein sekundäres Präventationsprogramm um Empathie zu fördern und emotionale Störungen zu reduzieren oder verhindern ist z.B. das „B.A.S.E.“ (Babywatching gegen Aggression und Angst zur Förderung von Sensitivität und Empathie). Ziel dieses Programmes ist es, aggresive und ängstliche Verhaltensstörungen bei Kleinkindern (zwischen drei und sechs Jahren) zu verhindern und Feinfühligkeit und Empathiefähigkeit zu fördern. Inhalte des Programms B.A.S.E sind oftmals in Kindergarten und Schulen installiert. In einem Kindergarten sieht ein solches Programm folgendermaßen aus: Eine Mutter kommt einmal pro Woche mit ihrem Säugling, der nur wenige Wochen alt ist, in den Kindergarten und lässt sich in einem Stuhlkreis von Kindergartenkindern 20-30 Minuten lang beobachten. Diese Interaktionsbeobachtung der Mutter und ihrem Baby wird durch ErzieherInnen angeleitet, z.B. in dem die Kinder einen bestimmten Aspekt der Interaktion beobachten sollen. Durch diese Übung der Beobachtung, in der sich die Kindergartenkinder in die emotionale Situation der Mutter bzw. des Babys einfühlen und dazu Fragen beantworten sollen, wird die Feinfühligkeit und Empathiefähigkeit gefördert. Untersuchungen von verhaltensauffälligen Kindern, welche an dem B.A.S.E. Programm teilnahmen, zeigten, dass dieses positive Effekte auf das Verhalten der Kinder hatte (vgl. Brisch, 2008, S.156 f.).

Faustlos nennt sich ein weiteres Präventionsprogramm, welches aggressives und gewaltbereites Verhalten von Kindern verhindern soll, indem es sozial-emotionale Kompetenzen stärkt. Dieses Programm wird vereinzelt in deutschen Kindergärten und Grundschulen angeboten und besteht immer aus mehreren Lektionen, welche über einen gewissen Zeitraum z.B. in Kindertagesstätten zweimal pro Woche durchgeführt werden sollten. Jede Lektion fängt mit einem Foto-Beispiel an, welches von den Kindern reflektiert werden soll. Anschließend werden Rollenspiele und Übungen zu diesem bestimmten Thema durchgeführt. Eine Lanzeitstudie über Kinder, welche an Faustlos Präventionsprogrammen teilnahmen ergab, dass die Ängstlichkeit und Depressivitätsneigung bei den Kindern deutlich reduziert wurden. Durch die Befragung der Eltern und Erzieher dieser Kinder stellte sich ebenfalls heraus, dass ein Kompetenzerwerb für eine bessere Bewältigung spannungsreicher Konflikte bei den Kindern beobachetet wurde (vgl. Fröhlich-Gildhoff, Mischo und Castello, 2009, S. 248).

Um soziale Kompetenz der Kinder und ihrer Eltern zu fördern, wurde das Präventionsprogramm EFFEKT konzipiert, welches in Kindertagesstätten eingesetzt und evaluiert wurde. Das Programm zielt dabei besonders auf die Förderung sozialer Kompetenzen ab, wie z.B. der sozialen Wahrnehmung, Einfühlung in andere Kinder und nicht-aggressives Problemlösen. Die 15 Einheiten (je 45-60 Minuten), in denen z.B. sozial-kognitive Problemlösfertigkeiten behandelt werden, finden in Kleingruppen nach einem Manual mit den Kindern statt. Parallel findet ein Training mit den Eltern statt, welches deren Erziehungskompetenzen fördern soll. Bei Untersuchungen zu diesem Präventionsprogramm konnte ein signifikanter Effekt auf das Verhalten der Kinder nur bei einer Kombination aus dem EFFEKT Training mit den Kindern und aus dem Training der Erziehungskompetenzen der Eltern festgestellt werden. Solche Kontrollgruppen, in denen nur eines der beiden Trainings durchgeführt wurde, zeigten keine großen Erfolge (vgl. Fröhlich-Gildhoff, Mischo und Castello, 2009, S. 249 f.).

Ein weiteres Präventionsprogramm für Kindertageseinrichtungen ist das so genannte Papilio. Dieses soll dazu dienen Verhaltensprobleme zu vermindern, sowie sozial- emotionale Kompetenzen zu fördern. Des Weiteren soll dieses Programm langfristig auch der Entstehung von gewalttätigem Verhalten und Sucht vorbeugen. Papilio besteht aus drei Programmelementen: einem regelmäßigen spielzeugfreien Tag und einer spezifischen Spielform (um ein bestimmtes Verhalten zu fördern), sowie Angebote besonderer Einheiten (z.B. einer interaktiven Geschichte). Das Programm richtet sich nicht nur an die Kindergartenkinder, sondern ebenso an ErzieherInnen und Eltern, welche zu der Arbeit mit den Kindern gezielte Trainingsmaßnahmen erhalten. Die Evaluation über bisher in Kindertagesstätten durchgeführten Papilio- Programme zeigte keine großen Erfolge, jedoch konnten vereinzelt Verhaltensauffälligkeiten reduziert und prosoziales Verhalten gestärkt werden (vgl. Fröhlich-Gildhoff, Mischo und Castello, 2009, S. 250).

Präventionsprogramme in Grundschulen

Im schulischen Bereich, vor allem in Grundschulen, gibt es bereits zahlreiche Präventionsprogramme. Das Präventionsprogramm „Lubo aus dem All“ z.B. soll die sozial- emotionalen Kompetenzen der Kinder schon zu Beginn ihrer Schullaufbahn fördern, sowie der Entstehung von Gewalt und Verhaltensstörungen vorzubeugen und dadurch die Lernmöglichkeiten zu verbessern. Das Programm ist so konzipiert, dass den Kindern eine Geschichte von „Lubo“, einem Außerirdischen, erzählt wird, welcher auf die Erde kommt und viele Fragen über Gefühle der Menschen hat und diese zu beantworten versucht. Bei der Suche nach Antworten auf die oft rätselhaften Gefühle der Menschen helfen ihm die Kinder. Durch dieses sehr spielerisch angesetzte Präventionsprogramm sollen sozial-emotionale Basiskompetenzen, die Emotionsregulationsfähigkeit und die Entwicklung sozialer Problemlösestrategien der Kinder gefördert werden. Das Projekt soll innerhalb der 1.-3. Klassen zwischen 4-6 Monaten durchgeführt werden. Nach Angaben der Universität zu Köln, Heilpädagogische Akademie für Erziehungshilfe und Lernförderung e.V. soll dieses, von ihnen ins Leben gerufene Präventionsprogramm „Lubo“, mehrfach evaluiert und erfolgsversprechend durchgeführt worden sein. ErzieherInnen und pädagogische Fachkräfte können an einer Fortbildung teilnehmen, innerhalb welcher ihnen die Methoden des vorgestellten Präventionsprogrammes vermittelt werden (vgl. www.heilpaedagogische- akademie.de).

Wie bereits erwähnt, wird das Präventionsprogramm Faustlos nicht nur in Kindertagesstätten, sondern auch an Schulen durchgeführt. Eine Evaluation dieses Programms an einer Grundschule zeigte positive Effekte auf das Klassenklima und das Sozialverhalten der teilnehmenden Kinder. Das Programm wurde von den Lehrern, als auch von den Kindern insgesamt gut bis sehr gut beurteilt. Wie lange diese positiven Effekte auf das Verhalten der Kinder hat wird derzeit weiter untersucht. Sicher ist aber, dass Faustlos einen guten Ansatz zur Förderung emotionaler Kompetenzen, sowie der Vorbeugung von Gewalt entwickelt hat (vgl. Schick und Cierpka, 2003, S. 100 f.).

Petermann und Wiedebusch (2003) stellen unterschiedliche Trainingsprogramme für Grundschulkinder vor, welche präventiv arbeiten, indem sie das Sozialverhalten der Kinder fördern. Bei diesen Trainingsprogrammen habe sich herausgestellt, dass sie effektiver seien, wenn sie thematisch vielfältig sind und eine Verbesserung des Emotionswissens, sowie der Emotionsregulation anstrebten. Eines der vorgestellten Präventionsprogramme für Grundschulkinder ist das sogenannte „PATHS“ (Promoting Alternative Thinking Strategies – Curriculum) von Greenberg et al. (1995). Dieses Programm umfasst 60 Trainingsstunden und beinhaltet folgende drei Module: Selbstkontrolle, Emotionen und Problemlösen. In dem Modul „Emotionen“ lernen die Kinder beispielsweise ein umfangreiches Emotionsvokabular zu nutzen, Hinweisreize auf bestimmte Gefühle zu verstehen, sowie soziale Darbietungsregeln zu erkennen. Emotionsregulationsstrategien sollen in diesem Modul ebenfalls verbessert werden. Die Kinder sollen innerhalb dieser Trainingseinheiten lernen, ihre Gefühle anderen mitzuteilen und die der anderen zu erkennen und zu respektieren. In einer durchgeführten Evaluation (an der 350 Kinder teilnahmen) wurde festgestellt, dass sich die emotionale Kompetenz der Kinder verbesserte und das aggressive Verhalten abnahm. Petermann und Wiedebusch (2003) kritisieren bei den von ihnen vorgestellten Präventionsprogrammen, dass bisher keine groß angelegten Stichproben durchgeführt wurden und die Langzeiteffekte noch nicht ausreichend untersucht worden seien (vgl. Petermann und Wiedebusch, 2003, S. 172 f.).

Ein weiterer Ansatz, präventiv in Schulen zu arbeiten und sozial-emotionale Kompetenzen zu fördern ist das Mentoring. Dieses Konzept beinhaltet, dass eine ältere, erfahrene Person (MentorIn) durch die individuelle Zweierbeziehung die Entwicklung einer jüngeren Person unterstützt und fördert. Das Mentoring in Schulen hat sich als sehr förderlich für beide beteiligten Personen erwiesen und wird von vielen Schulen angeboten.

Die intensive und individuelle Eins-zu-Eins-Betreuung findet auf einer freiwilligen Basis statt, wobei die Schwerpunkte der Beziehung von den beteiligten Personen selbst festgelegt werden. Wichtig bei dem Mentoring innerhalb der Schule ist es, dass die Treffen der beiden Personen in einem vertrauten Umfeld stattfindet, in dem sich beide wohl fühlen. Rohlfs (2008) stellt einige Mentoring Projekte in Schulen vor. Eines dieser Projekte ist das „Essener Schülerhilfeprojekt“, welches gezielt Grundschulkinder aus einkommensarmen und bildungsfernen Milieus durch das Mentoring begleitet und fördert. Studierende übernehmen innerhalb des Projektes für ein Jahr die Patenschaft für eines dieser Kinder und versuchen durch eine vertrauensvolle Beziehung entwicklungsfördernde Bedingungen für das Kind zu schaffen. Dieses und ähnliche Projekte mit Mentoring zeigten positive Effekte auf die beteiligten Personen und klingen, durch die individuelle Einzelbetreuung sehr vielversprechend (vgl. Rohlfs, 2008, S. 289 f.).

„Kinder Stärken!“. Ein Beispiel von ineinander greifenden, primären Präventionsmaßnahmen

Die bisher vorgestellten Präventionsmaßnahmen decken meist nur einen Teilaspekt in dem Leben der Kinder ab, wie z.B. der Arbeit mit den Eltern oder innerhalb des Kindergartens bzw. Grundschule. Ein Projekt des Zentrums für Kinder- und Jugendforschung an der EH Freiburg wurde in den Jahren 2005-2007 unter dem Namen „Kinder Stärken!“ realisiert und ausgewertet. Dieses Projekt sollte sich eben nicht nur auf einen Bereich beziehen, sondern folgende Ebenen der Prävention abdecken: 1. Arbeit mit den Kindern, 2. Arbeit mit den Eltern, 3. Arbeit mit den ErzieherInnen und 4. Sozialräumliche Vernetzung der Institution KiTa. Ebenso war es das Ziel des Projektes „Kinder Stärken!“, die Resilienz des Kindes zu fördern. Unter diesem Gesichtspunkt wurde innerhalb des Projektes das „PRiK“ (Programm zur Prävention und Resilienzförderung in Kindertageseinrichtungen) durchgeführt.

Dieses umfasst 20 Trainingseinheiten, an denen die Kinder zehn Wochen lang teilnahmen. Zu den Grundthemen dieser Trainingseinheiten gehören: Selbstwahrnehmung, Selbststeuerung, Selbstwirksamkeit, soziale Kompetenz, Umgang mit Stress und Problemlösen. Wenn ein Kind innerhalb des Projektes besonders durch sein Verhalten auffiel, wurde eine spezifische Förderung für dieses Kind eingeleitet. Gleichzeitig wurden für die Eltern dieser Kinder Elternkurse zur Stärkung der Erziehungskompetenz angeboten. Diese Kurse fanden regelmäßig in den Kindertageseinrichtungen statt und beinhalteten auch die Unterstützung der Förderung von Resilienz im Alltag der Familien. Des Weiteren wurde von externen Fachkräften wöchentlich Sprechstunden zur Eltern- bzw. Familienberatung angeboten. 75 % der Eltern innerhalb dieses Projektes wurden durch diese Angebote angesprochen und nahmen regelmäßig daran teil. Während die Kinder Trainingseinheiten durchliefen und ihre Eltern Kursangebote wahrnehmen konnten, wurden für die ErzieherInnen der Kindertageseinrichtungen eine Fortbildung angeboten, in welcher sie den Grundgedanken der Resilienzförderung vermittelt bekamen. Des Weiteren wurden die ErzieherInnen dazu qualifiziert, das PRiK mit den Kindern – und die Erziehungskompetenzkurse bei den Eltern durchzuführen. Innerhalb des Projekts wurde auch darauf geachtet, Netzwerkstrukturen zu familien-unterstützenden Institutionen aufzubauen.

Durch eine ausführliche Evaluation, welche u.a. Interviews mit den beteiligten Personen, sowie standadisierte Tests zur allgemeinen Entwicklung beinhaltete, konnte eine Verbesserung des Selbstwertes der Kinder festgestellt werden. Des weiteren konnte belegt werden, dass das Projekt einen signifikant positiven Effekt auf die kognitive Entwicklung der Kinder hatte. Aufgrund der frühen Miteinbeziehung der ErzieherInnen, welche nach und nach die Durchführung des Projektes übernahmen, wurde die Nachhaltigkeit von „Kinder Stärken!“ sicher gestellt (vgl. Föhlich-Gildhoff, Mischo und Castello, 2009, S. 245 f.).

Wo sollten ineinander greifende Präventionsmaßnahmen künftig installiert werden, um Störungen in der emotionalen Entwicklung von Kindern langfristig zu verhindern?

Bei der Auseinandersetzung mit den bisher vorgestellten Präventionsprogrammen, zur Verhinderung von emotionalen Entwicklungsstörungen und Förderung der emotionalen Kompetenz, wird deutlich, dass es viele einzelne Projekte mit Eltern oder in Kindergärten, Schulen etc. gibt, diese jedoch meist nicht langfristig installiert sind und auch nicht alle Bereiche abdecken. Es scheint, als würden viele verschiedene Träger oder Vereine ein solches Präventionsprogramm konzipieren, da gerade in der heutigen Zeit die Bedeutung von sozialen und emotionalen Kompetenzen in den Vordergrund rückt ohne dass diese jedoch langfristig durchdacht sind. Viele Schulen scheinen sich derzeit mit Projekten wie Faustlos zu „schmücken“ in der Annahme, ein solches einmaliges Projekt reiche aus. Ich sehe eine Schwierigkeit darin, dass viele einzelne Projekte nebeneinander angeboten werden, ohne dass diese miteinander kooperieren oder voneinander profitieren, was eine langfristige Installation in z.B. Kindergärten und Grundschulen erschwert. Womöglich liegt die Herausforderung darin, dass es Kindergärten und Schulen selbst überlassen wird, ob sie solche Präventionsprogramme in ihr Konzept übernehmen und anbieten, oder eben nicht. Man müsste besonders bei primären Präventionsprogrammen sicherstellen, dass alle Kinder diese in der KiTa, dem Kindergarten und später der Grundschule durchlaufen. Anfangen sollten die Präventionsprogramme mit PEKiP Angeboten, die für alle zugänglich und finanziell zu ermöglichen sind. Wenn die PEKiP Gruppen nach dem ersten Lebensjahr des Kindes enden, sollte es den Eltern, die weitere Unterstützung wünschen, ermöglicht werden an einem Elternkompetenzkurs teilzunehmen, in welchem sie weitere Übungen zum Umgang mit ihren Kindern erlernen.

Ich halte das Konzept von „Kinder Stärken!“ für einen gelungenen Anfang um Präventionsprogramme anzubieten, welche eine Zusammenarbeit zwischen den Kindern, Eltern und Professionellen der Institutionen vorsieht. Diese übergreifende Präventionsarbeit ist nicht nur wichtig um den größtmöglichen, positiven Effekt auf die Entwicklung des Kindes zu erreichen, sondern auch um frühzeitig Risikofaktoren bei den Eltern oder den Kindern zu erkennen. Eine gute Zusammenarbeit und Kommunikation zwischen Berufsgruppen wie z.B. Hebammen oder ErzieherInnen und Sozialarbeitern ist für die Präventionsarbeit von großem Vorteil. Nehmen wir das Beispiel der Hebamme, welche oft die erste professionelle Bezugsperson ist, mit der die werdende Mutter zu tun hat. Wenn die Hebamme zuvor im Bereich der Präventionsarbeit für die emotionale Entwicklung und mögliche Risikofaktoren geschult wurde, kann sie diese Risikofaktoren bei der Mutter frühzeitig erkennen und die Mutter evtl. an ein passendes Präventionsprogramm weiter vermitteln. Ebenso im Bereich der KiTa oder Grundschule ist eine Präventionsarbeit, die Betreuer und Lehrer, sowie Eltern und Kinder in das Programm mit einbezieht, ratsam.

Es sollte analysiert werden, welche Präventionsprogramme bisher die größten Erfolge erzielten und wie diese aufgebaut sind, bzw. welche Methoden innerhalb dieser angewendet wurden, um anschließend ein einheitliches Konzept zu entwickeln und dieses in allen KiTas, Kindergärten und Grundschulen anzubieten. In Grundschulen sehe ich das Potential und auch die Notwendigkeit, nicht nur projektbezogen Präventionsprogramme durchzuführen, sondern bestmöglichst eine Unterrichtseinheit pro Woche für alle Klassen langfristig anzubieten.

Diese präventiven Unterrichtseinheiten könnten durch Kompetenztrainings wie z.B. Rollenspiele und andere spielerische Übungen aufgelockert werden. Dabei sollten die Lehrer jedoch dementsprechend ausgebildet sein, um die Gruppendynamik der Klasse, sowie Auffälligkeiten einzelner Schüler zu erkennen und mit spezifischen präventativen Methoden darauf eingehen zu können. Des weiteren sehe ich in der direkten Familienhilfe ein großes Potential, Familien mit vorhandenen Risikofaktoren, spezifische Präventionsprogramme anzubieten. Die FamilienhelferInnen weisen meist eine vertrauensvolle Beziehung zu den Eltern auf, welche es ermöglicht, diesen eine passende Präventionsmaßnahme nahe zu legen.