Pränatale Forschung

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Rittelmeyer (2005) geht auf die neuen Erkenntnisse der pränatalen Forschung ein, indem er beschreibt, was für einen großen Einfluss Stresserfahrungen der Mutter während der Schwangerschaft auf das Kind im Mutterleib haben kann. So überträgt sich der Stress der Mutter z.B. durch erhöhte Hormonausschüttungen direkt auf das Kind, da der Blutkreislauf der beiden miteinander verbunden ist. Untersuchungen zeigten, dass Mütter, die beispielsweise durch Bombenangriffe, Naturkatastrophen oder ähnliches Angstzustände während der Schwangerschaft erlitten, häufig ängstliche, entwicklungsverzögerte, untergewichtige oder leicht erregbare Kinder gebaren. Diese Forschungsergebnisse liefern Hinweise darauf, welch großen Einfluss die pränatale Phase für die emotionale Entwicklung des Kindes hat. Weitere Untersuchungen zeigten, dass sich die Stresserfahrung von schwangeren Müttern auf das spätere Temperament des Kindes auswirkt, welches wiederum entscheidend für die Entwicklung der emotionalen Kompetenz ist (vgl. Rittelmeyer, 2005, S. 19 f.).

Auch Gerhard (2006) geht aufgrund zahlreicher Forschungsergebnisse davon aus, dass bereits die pränatalen Erfahrungen das spätere Temperament des Kindes beeinflusst und sogar bestimmt. Er weist in diesem Zusammenhang darauf hin, dass das Temperament oftmals als genetisch bedingt gesehen wird, da dieses schon kurz nach der Geburt beobachtet wird. Es sei dabei jedoch besonders wichtig der pränatalen Phase mehr Beachtung zu schenken (vgl. Gerhard, 2006, S. 192).

DiPietro konnte sogar nachweisen, dass Kinder von häufig gestressten, angsterfüllten oder depressiven Müttern ein erhöhtes Risiko haben mit einem unterdurchschnittlich entwickelten zentralen Nervensystem geboren zu werden. Die Untersuchungen scheinen für sich zu sprechen, jedoch weist Rittelmeyer darauf hin, dass es ebenso Untersuchungen gibt, die keinerlei negativen Effekte auf das Kind durch mütterliche Stresserfahrungen feststellen konnten. So müsse davon ausgegangen werden, dass nur bestimmte Stresserfahrungen (wie z.B. langanhaltender Stress) bei schwangeren Müttern, die in einer bestimmten Art und Weise verarbeitet würden, zu negativen Folgen für das Kind führen (vgl. Rittelmeyer, 2005, S.24).

Im Bereich der pränatalen Psychologie stellt sich natürlich die Frage, wieviel ein Kind im Mutterleib tatsächlich schon mitbekommt. Rittelmeyer bezieht sich in diesem Zusammenhang auf einen Artikel der Zeitschrift „Geo“, in dem Hepper (ein britischer Psychologe) heraus fand, dass Säuglinge auf bestimmte Musik, welche die Mütter während der Schwangerschaft hörten, nach der Geburt besonders positiv reagierten. Die schwangeren Mütter hörten diese Musik in einem entspannten Zustand, was sich aufgrund einer geminderten Stresshormonausschüttung positiv auf das Kinder im Mutterleib auswirkte und diese somit selbst nach der Geburt die wohlige Erfahrung mit der Musik verbanden. Auch zeigten weitere Versuche, dass Neugeborene aufgrund der pränatalen Erfahrung der Mutterstimme diese vor allen anderen Stimmen bevorzugen.

Es werden noch weitere Untersuchungen von Rittelmeyer vorgestellt, die darauf hin weisen, dass sich Kinder (und auch noch Erwachsene) sogar vereinzelnd an Erlebnisse im Mutterleib erinnern können und diese in z.B. Träumen verarbeiten (vgl. Rittelmeyer, 2005, S. 27).

Des weiteren konnten zahlreiche Forschungen feststellen, dass der pränatale Herzschlag der Mutter eine besondere Prägung des Kindes verursacht. Aufgrund dieser Forschungsergebnisse kann ebenfalls davon ausgegangen werden, dass der erhöhte Herzschlag der Mutter bei Stress besondere Auswirkungen auf das Kind hat (vgl. Rittelmeyer, 2005, S. 33). Diese und zahlreiche andere pränatale Untersuchungen geben Aufschluss über die besondere physische Verbindung und emotionale Beziehung zwischen der Mutter und dem Kind während der Schwangerschaft, sowie den daraus resultierenden Folgen für die emotionale Entwicklung des Kindes.