Einfluss der Erziehung

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Das Erziehungsverhalten der Eltern spielt bei der Entwicklung der Emotionalen Kompetenz des Kindes eine große Rolle, da das Kind dadurch direkt oder indirekt Fähigkeiten wie Emotionsausdruck, Empathiefähigkeit und das Einsetzen von Regulationsstrategien beigebracht und (bewusst oder unbewusst) vorgelebt werden. Das Erziehungsverhalten der Eltern kann, wie auch das Bindungsverhalten, die Mutter-Kind-Beziehung positiv beeinflussen oder diese schädigen. Die Bindungsqualität zur Mutter, sowie das Erziehungsverhalten der Eltern bieten die individuelle, familiäre Grundlage für die emotionale Entwicklung des Kindes.

Bei Studien über das Erziehungsverhalten beschrieben die Eltern meist das Erziehungsverhalten, was bei ihnen und ihren Kindern auch tatsächlich innerhalb der Untersuchung beobachtet werden konnte. Dies gibt Grund zur Annahme, dass die Erziehung größten Teils bewusst geschieht und das Erziehungsverhalten die individuellen Werte der Eltern widerspiegelt. Des weiteren verfolgen Eltern meist bestimmte Erziehungsziele, dh. Ziele, die sie durch ihr Erziehungsverhalten bei dem Kind erreichen wollen (vgl. Petermann und Wiedebusch, 2003, S. 53, 86).

Die Erziehung sollte nicht einseitig (von den Eltern, hin zu dem Kind) gesehen werden, da es auch immer zu einer Wechselwirkung zwischen dem Erziehungsverhalten und dem kindlichen Temperament kommt. Petermann und Wiedebusch (2003) beschreiben, dass bisherige Befunde auf bestimmte Verhaltensweisen der Eltern deuten, welche für die Entwicklung emotionaler Fertigkeiten förderlich sind. Diese beinhalten, dass ein positives emotionales Klima in der Familie herrscht, offen mit dem eigenen Ausdruck von Emotionen umgegangen wird und häufig Gespräch über Gefühle stattfinden. Ebenso sei es förderlich, wenn ein angemessener Umgang mit den Gefühlen des Kindes stattfindet und das Kind bei der Regulation von Emotionen unterstützt wird.

Dieses unterstützende Erziehungsverhalten fördere vor allem nachweislich das Emotionsverständnis, den sprachlichen Emotionsausdruck und die Emotionsregulation des Kindes (vgl. Petermann und Wiedebusch, 2003, S. 73). Der Emotionsausdruck der Mutter hat ebenso einen bedeutenden Einfluss auf die Emotionsregulation des Kindes. So wirke sich ein überwiegend negativer Emotionsausdruck negativ auf die Emotionsregulation des Kindes aus und ein positiver Emotionsausdruck der Mutter positiv auf die Emotionsregulation. Bei Studien von Garner und Estep (2001) wurde ebenso beobachtet, dass Kinder den Emotionsausdruck ihrer Mütter zu imitieren scheinen. Aufgrund zahlreicher Studien, welche diese These unterstützen, scheint der Emotionsausdruck der Mutter im Zusammenhang mit Verhaltensauffälligkeiten bei den Kindern zu stehen (vgl. Petermann und Wiedebusch, 2002, S. 75).

Forschungen ergaben, dass Mütter, welche unter starkem Stress stehen, ebenso einen negativen Einfluss auf die Emotionsregulation des Kindes haben können, da sie mit ihrem eigenen Stress so beschäftigt sind, dass es ihnen nicht gelingt dem Kind bei dessen Regulation zu helfen (vgl. Gerhard, 2006, S. 91). In mehreren Studien von v. Salisch (2002) wurde der Einfluss des Erziehungsverhaltens auf die Entwicklung von Mitgefühl und prosozialem Verhalten bei Kindern untersucht.

Diese zeigten deutlich, dass mitfühlend-prosoziale Kinder Mütter hatten, welche auf der Gefühls- und Handlungsebene ihnen gegenüber empathisch reagierten. Betroffen-gehemmte Kinder, wie sie von Salisch nennt, hingegen hatten Mütter, welche eher auf das Fehlverhalten der Kinder reagierten, als auf deren Kummer. Diese und andere Studien von v. Salisch verdeutlichen, dass Eltern die Empathie und prosoziales Verhalten der Kinder durch Wärme und ein mitfühlendes Verhalten fördern können.

Trotz dieser aussagekräftigen Forschungsergebnisse, muss auch immer eine Wechselwirkung zwischen dem Temperament des Kindes und der elterlichen Erziehung berücksichtigt werden.

Von Salisch weist darauf hin, dass ebenso bei dem Geschlecht der Kinder eine wechselseitige Wirkung mit dem Erziehungsstil zu beobachten war (vgl. von Salisch, 2002, S. 117 f.). Eine Studie von Gottmann und Kollegen (1996) stellte fest, dass die elterlichen grundlegenden Gefühle und Gedanken über ihre eigenen Emotionen eng mit ihrem Erziehungsverhalten den Kindern gegenüber zusammenhing. Die Normen und Werte der Eltern spiegeln sich in ihrem Erziehungsverhalten wider und somit hängt es von ihrem Erziehungsziel ab, welchen Stellenwert Emotionen und deren Regulation haben. Wittmann (2008) weist darauf hin, dass es nicht nur auf das Vorhandensein von Fähigkeiten emotionaler Kompetenz ankommt, sondern auch darauf, ob emotional kompetentes Verhalten aufgrund des elterlichen Erziehungsstils gezeigt wird oder nicht (vgl. Wittmann, 2008, S.59 f.). Dieser Annahme nach hat also das Kind innerfamiliär keine Chance z.B. die Fähigkeit der emotionalen Kommunikation weiter auszubilden, wenn es durch das elterliche Erziehungsverhalten lernt, dass man über Gefühle nicht redet.

Die Sensitivität der Bezugsperson sei ebenfalls bedeutsam für die Qualität der emotionalen Handlungsregulation, so Holodynski (2006). Unter dieser Sensitivität versteht man das Wahrnehmen, Interpretieren und ein angemessenes Reagieren auf die Signale (z.B. dem Emotionsausdruck) des Kindes. In einer Studie von Bell und Ainsworth (1972) wurde beobachtet, dass Säuglinge, deren Eltern innerhalb der ersten Lebensmonate sehr feinfühlig auf ihr Weinen reagiert hatten, zum Ende des ersten Lebensjahres viel weniger weinten und differenziertere Kommunikationsfähigkeiten aufwiesen. Holodynski verdeutlicht durch diese erwähnte Studie, dass eine sensitive Bezugsperson nicht nur beruhigend auf das Kind wirkt, sondern ebenso die Entwicklung der kindlichen Emotionen fördert (vgl. Holodynski, 2006, S.115 f.). Wittmann (2008) beschreibt die Wirkung unterschiedlicher Erziehungsstile auf die kindlichen emotionalen Kompetenzen. Forschungsergebnissen zufolge weisen demnach Kinder, die autoritativ erzogen wurden, ein geringes Problemverhalten auf und verfügen über ein großes Maß an kognitiven und sozialen Kompetenzen. Unter dem autoritativen Erziehungsstil versteht Baumrind (1996) eine Erziehung, die aus hohen, angemessenen Anforderungen und viel Responsivität besteht, wobei die Einhaltung von Regeln und Grenzen konsequent von dem Kind erwartet wird.

Die autoritativ erzogenen Kinder weisen, so die Forschungsergebnisse, zudem eine moralische und prosoziale Haltung auf und erbrachten die besten Schulleistungen. Bei autoritär erzogenen Kindern konnte ein impulsiv-aggressives Verhalten beobachtet werden. Unter dem autoritären Erziehungsstil versteht man eine solche Erziehung, in denen die Eltern strikten Gehorsam und Einhaltung von Grenzen fordern, jedoch ohne diese zu erklären und keine Liebe und Wärme zu spenden (vgl. Wittmann, 2008, S. 57; 94 f.).

Kinder erwerben ihr Emotionswissen und –verständnis vor allem durch die Erziehung der und Interaktion mit den Eltern, wie z.B. durch Gespräche über Emotionen. Es sollte berücksichtigt werden, dass sich die emotionale Entwicklung und die Erziehung aber auch wechselseitig beeinflussen. Auch bei der Frage, welches elterliche Verhalten konstruktiv für die kindliche Emotionsregulation ist, kommt es ebenso auf das kindliche Temperament und das Alter des Kindes an. Wittmann weist jedoch darauf hin, dass sich das Konzept „Freiheit in Grenzen“ als förderlich und konstruktiv für die emotionale Entwicklung des Kindes heraus gestellt hat. Nach diesem Konzept erfüllen die Eltern durch ihr Verhalten die Bedürfnisse der Kinder nach Liebe, Akzeptanz und Unterstützung, stellen aber auch entwicklungsangemessene Erwartungen an die Kinder (vgl. Wittmann, 2008, S.83; 140 f. ). Des Weiteren ist es von Seiten der Eltern wichtig, dem Kind bei der Regulation der Stressreaktion zu helfen und es zu unterstützen. Erfährt das Kind trotz seiner Bemühungen, dass es keine externe Unterstützung bei der Regulation erhält, macht es die Erfahrung, dass es seine Umwelt nicht kontrollieren kann, wenn es darauf ankommt. Vor einer solchen Erfahrung sollten die Eltern ihr Kind bewahren, indem sie dem Kind bei der Regulation helfen, so lange es dies nicht eigenständig kann (vgl. Berking, 2008, S. 13).